Eine Ära geht zu Ende – Abschied vom Hollwigger Bistrorant
Gestern, am 11.10.2026, endet eine Ära in Holweide. Das Hollwigger Bistrorant schließt seine Pforten, und fortan wird es hier, im Holweider Hof, keine Gaststätte mehr geben.
Weit über hundert Jahre Gastronomiegeschichte gehen zu Ende, an diesem Ort und dieser Stelle sind es sogar Jahrhunderte. Das Bistrorant war nämlich nie nur ein einfaches Restaurant oder eine Weedschaff op d’r Eck. Es gehört zur Wiege und zur Geschichte unseres Stadtteils.
Um 1912 erhielt der Gastronom Heinrich Fischer die Konzession für seine Gaststätte im Hotel Holweider Hof, dem heutigen Bistrorant. Fischer war aber weit mehr als ein Gastronom: Er war Ratsmitglied, Unternehmer und Ziegeleibesitzer. Mit seinen Ziegeln hat er das alte Holweide mit aufgebaut.
Als er um 1890 vom Gut Schlagbaum „an die hohle Weide“ zog, fiel der Startschuss für Holweide als Dorf. Er baute an der Ringenstraße, die zuerst nach ihm und seit 1914 nach seinem Vetter und Kompagnon Karl Ringen heißt, und an der Bergisch Gladbacher Straße. Und er baute den Holweider Hof.
Aus dem kleinen Weiler Holweide mit kaum hundert Einwohnern wurden so binnen zwanzig Jahren knapp 1500 Menschen.
Als sich das gewachsene Dorf Holweide1910 mit Schnellweide, Schweinheim und Wichheim zu Holweide zusammenschloss bekam unser Stadtteil den Namen, des Dorfes, das Fischer mit aufgebaut hatte: Holweide, heute ein Stadtteil mit über 20.000 Menschen. Ausgehend von eben jener Ecke an dem heute noch das Bistrorant seine Pforten offen hat.
Doch die Tradition der Gaststätte an jener Stelle reicht viel weiter zurück: Jahrhunderte.
Als im Jahr 1846 die Bürgermeisterei Merheim ihren Sitz „an die hohle Weide“ verlegte, stand hier kaum mehr als ein kleines Gutshaus: Das Gut „Hohle Weide“ – mit der Gaststätte „Zur hohlen Weide“. Schon spätestens seit dem frühen 17. Jahrhundert wurde hier gefeiert und gezecht.
Dass diese Tradition morgen endet, ist aber viel mehr als ein Stück verlorene Veedelsgeschichte. Für die Gegenwart und Zukunft verschwindet ein wichtiger Ort unserer Veedelskultur: ein Hort des sozialen Lebens, ein Veedelskwartier, eine Hofburg.
Und mit der Gaststätte verabschieden wir einen Menschen, der sich über die Gaststätte hinaus auch ehrenamtlich für Holweide eingesetzt hat: Jörg Gremann.
Für ihn geht es als Gastronom in Merheim in der Gaststätte Fuchs weiter. Als Mensch und Mitglied bleibt er uns in Holweide erhalten.
Dafür sagen wir Danke, Jörg. Und vor allem von Herzen Danke für deinen jahrzehntelangen Einsatz als Gastronom in unserem Stadtteil.